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Krankenhaus

Auf einem der Vorbereitungswochenenden von AFS haben wir ein Spiel gespielt: Die Albatrosse. :
Wir sollten die Merkmale dieser Kultur erkennen, und versuchen, sie zu verstehen. Klingt ja erst mal gar nicht sooo verkehrt. Ihr fragt euch jetzt allerdings, was hat der Scheiß hier denn jetzt bitte mit Krankenhäusern zu tun? Der geistige Nährwert dessen, wird sich euch bald offenbaren.
Also das Spiel ging wie folgt:
Wir wurden in 2er Gruppen aufgeteilt, immer Junge und Mädchen und wurden danach der Reihe nach in einen Raum geführt. In diesem Raum befand sich ein Stuhlkreis und in der Mitte waren 5 Kerzen, die einzige Beleuchtung übrigens. Sobald wir den Raum betreten hatten, war absolutes Sprech- und Lachverbot.
Wie bereits gesagt, war es nicht unbedingt hell in dem Raum, und als alle da waren und im Stuhlkreis schön abwechselnd Junge und Mädchen nebeneinander saßen kam dann irgendwann der Priester der Albatrosse mit der Priesterin rein, und irgendwann dann startete die Zeremonie. Wie viel Zeit verging wusste niemand, wir mussten nämlich alles was irgendwie im Stande war eine Uhrzeit anzuzeigen draußen lassen. Dann wurde die Zeremonie abgehalten. Erst wurden alle auf eine etwas unkonventionelle Art begrüßt, dann mussten die Mädchen die Schuhe ausziehen und sich auf den Boden setzen. Das dauerte auf jeden Fall auch seine Zeit und DANN gabs so eine Abart vom Abendmahl. Also Abart triffts wirklich gut. Als "Brot" gabs nämlich die Spaghetti vom Abendessen, Brot vom Frühstuck, Flips und Chips. Das Ekelige war aber, dass diese Dinge mit Lebensmittelfarbe eingefärbt worden sind. Somit hatten sie alle gefreut, als sie im Kerzenschein in der Schüssel so rote Schnüre gesehen haben. Der Verdacht lag nahe, dass das diese Weingummischnüre seien... na ja.. leider vertan. Das hat man dann aber auch deutlich in den Gesichtern der "Opfer" gesehen. Ich meine, ok... das Stück nasses Brot, das ich bekommen habe, war auch nicht unbedingt die Krönung, aber wahrscheinlich besser als harte, kalte Spaghetti, wenn man leckere, süße Weingummischnüre erwartet. Als "Wein" wurde uns dann sone komische, kalte Kaffee-Orangensafplörre angedreht, man mags kaum glauben, aber es schmeckt besser als es sich anhört.
Durch die spärliche Beleuchtung, das Sprech- und Lachverbot wurde die Stimmung nicht unbedingt besser... eigentlich wurde es ziemlich anstrengend die Augen aufzuhalten. Da durch, dass das alles extrem langsam und ruhig abgehalten wurde, hat man auch jegliches Zeitgefühl verloren.. Somit hat man nicht die Minuten gezählt sondern die Versuche die Augen aufzuhalten.
Irgendwann wurden wir dann von der Schmach erlöst und wir durften raus. Der erste Gang ging entweder zum Klo, raus, oder zur Uhr. Wir haben dann im Endeffekt festgestellt, dass wir geschlagene 3 Stunden in der Bude verbracht haben. Hinterher sollten wir dann auswerten was wir über die Albatrosse erfahren haben, ist an dieser Stelle aber nicht so witzig und ist nicht das, worauf ich hinaus will. Nachdem das getan war, kam die obligatorische Frage, die nach jedem Spiel gestellt wurde. Und zwar: "Was bringt uns das, für das Auslandsjahr?" Die Antwort war folgende: " Fragt das mal Markus, der kann euch das mit Sicherheit erklären, weil er hat das Spiel verstanden, als Einziger." Ich war davon natürlich erst mal ein bisschen baff weil ich genauso versucht hatte wachzubleiben wie alle anderen auch, dann aber ist mir aufgefallen, was das sollte: "Ich befürchte, dass es eigentlich nicht um die ursprüngliche Aufgabenstellung ging, oder?" - "Richtig, aber worum dann?" - "Ok, ich glaube, dass wir nicht einfach nur die Merkmale dieser Kultur erkennen sollten, dafür haben wir schon zu viele Spiele dieser Art gespielt. Und sonst hätte es auch keinen Sinn gemacht, dass wir keine Uhren etc. mitnehmen durften. Ich glaube, dass es, schlicht und ergreifend, um Geduld ging. Wir saßen 3h in dem Raum, bei Kerzenlicht und mussten uns eine stinklangweilige Zeremonie reinziehen. Bis den Ersten die Augen zugefallen sind, hat es keine 15min gebraucht. Aber ich verstehe trotzdem nicht so ganz, was uns das bringt. Ok Geduld, alles klar... aber ich glaube kaum, dass wir uns 3h bei Kerzenlicht die Augen offen halten müssen.. oder?"
Ich muss ehrlich zugeben, dass ich den geistigen Nährwert dieses Spiels damals nicht begriffen habe und auch dachte, dass ich ihn niemals begreifen werde... doch dieser Tag kam... es war gestern...
Ein ganz normaler Montagmorgen, dadurch dass es mir extrem beschissen ging, hat meine Mutter mich nicht in die Schule geschickt und ich konnte erst mal in meinem Bettchen gammeln... Danach wurde ich aber erst einmal zum HNO-Arzt geschleppt, da ich seit meiner Ankunft nahezu jeden Tag Nasenbluten habe. Es ging los.. wir waren um 16.45 Uhr bereit, und der Arzt war informiert. Wir wurden gebeten uns zu setzen und einen Moment zu warten. Wir warteten bis 17.55 Uhr um dann für 5min beim Arzt zu sitzen und mir nen Cocktail verschreiben zu lassen.
Waren wir also um 18.00 Uhr fertig und ich bin vom Aufzug zum Auto gehumpelt, ich war Samstag nämlich mit meinem Fuß umgeknickt und jetzt wollten wir also wissen, was ich denn jetzt überhaupt habe. Also zum Krankenhaus gejodelt, um meinen Fuß röntgen zu lassen. Und auf einmal (gegen 20.24 Uhr) wurde mir klar.. warum wir damals auf dem Vorbeireitungswochenende dieses besagte Spiel gespielt haben. Um 21.30 Uhr durfte ich dann endlich auf den Röntgentisch, ohne Bleischürze, warum auch? Wird ja sowieso völlig überbewertet. 
Somit also noch mal 20min warten, bis die Fotos fertig waren, und von nun an konnte ich mir meinen wunderschönen, grün-rot-lila-blau-gelben Fuß auch als Röntgenbild ansehen. Kleiner Nachteil bei der Farbenpracht ist vielleicht, dass Röntgenbilder in Schwarz-Weiß sind.
Im Endeffekt ist mein Fuß jetzt nur schwer gesprellt, obwohl er, laut meinung des Arztes, bei der Wucht auch locker hätte gebrochen sein können. Naja Glück gehabt, laufen kann ich trotzdem nicht.
Und die Moral von der Geschicht ist jetzt, dass scheinbar wirklich selbst das sinnloseste Spiel, von dem ihr wahrscheinlich jemals gehört habt, doch irgendwo einen Sinn hat. Der hat sich mir zwar erst 6 Monate später eröffnete, aber, er war da.
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